high diver
- Zwischen Schweben und Fallen -
Mit einer eindrucksvollen Verbindung aus grafischer Lithografie und expressiv gesetzten blauen Farbflächen erzählt diese Werkserie von Konzentration, Körperspannung, Bewegung, Mut – und dem Augenblick zwischen Kontrolle und Loslassen. Die Momente, in denen der Körper seine gewohnte Sicherheit verlässt.
Die dargestellten Figuren befinden sich in unterschiedlichen Zuständen: Sie stehen am Rande des Sprungbretts, springen, tauchen, drehen sich durch die Luft oder scheinen für einen Augenblick völlig schwerelos zu sein. Titel wie “wait for it“, “weightless“ oder “1.4 seconds“ verweisen auf kurze, entscheidende Phasen, in denen sich Spannung und Freiheit begegnen.
Charakteristisch für die Arbeiten ist das Wechselspiel zwischen präziser, schwarz-grauer Zeichnung und den großflächigen, handwerklich gesetzten Pinselspuren in tiefem Blau. Die blaue Farbe funktioniert dabei nicht nur als Hintergrund. Sie wird zu einem eigenständigen Bildraum – mal wie Wasser, mal wie Tiefe, Schatten oder ein unbestimmter Raum, in den die Figuren eintreten. Die bewusst sichtbaren Pinselstriche verleihen den Flächen eine unmittelbare, körperliche Energie.
Gleichzeitig bleibt viel Weißraum. Diese Leere schafft Distanz und lässt die Figuren geradezu aus dem Papier heraustreten. Besonders in den Arbeiten “weightless“ und “free fall“ entsteht dadurch der Eindruck, dass die Grenzen zwischen Oben und Unten, Halt und Bewegung aufgehoben sind.
Die Serie interessiert sich für den Sekundenbruchteil, in dem eine Entscheidung bereits getroffen ist, ihre Konsequenz aber noch nicht sichtbar wird: Eine Springerin vor dem Absprung. Ein Körper im Flug. Ein Moment unter Wasser. Eine Bewegung, die sich nicht mehr zurücknehmen lässt.
So wird Bewegung hier nicht allein als sportliche oder körperliche Leistung verstanden. Sie wird zum Bild für einen inneren Zustand: für Wagnis, Vertrauen, Kontrollverlust und die Möglichkeit, sich der Freiheit vollständig hinzugeben.
Zwischen Schweben und Fallen ist eine Einladung, genau diesen Zwischenraum wahrzunehmen – jenen kurzen Zeitraum, in dem alles offen ist.- high diver
- wait for it
- weightless
- 1.4 seconds
- free fall
- the big splash
- boundless
- suspended
Lithographie und Cyanotypie auf Büttenpapier
je 50 x 35 cm
Die Schönheit des Verfalls
In dem Arbeitszyklus zeigt Gisela Franzke Ansichten verlassener, teils schon vom Hauch des Verfalls berührter Szenerien. Die menschenleeren Lebens-Räume erinnern an „Lost Places“ – in Vergessenheit geratene Orte, Plätze, Gebäude, welche die Natur allmählich fortschreitend, doch unaufhaltsam zurückzuerobern scheint.
Die zum Abriss, zur sukzessiven Auflösung verurteilten Räumlichkeiten haben durch ihre Patina eine neue Ästhetik erhalten. Sie erzählen eine Geschichte von Leben, Verlassenheit und Aufbruch gleichermaßen.
Die Wahl von traditionellen Techniken sowie der gänzliche Verzicht auf beschönigende Farbigkeit unterstützt das so hervorgerufene Gefühl.